Brüssel 2012

Europäische Perspektiven - Bericht zum Abschlusswochenende in Brüssel

Das Wochenende in Brüssel vom 11. bis 14. Oktober stellte den Abschluss des gemeinsamen Schülerkolleg-Jahres dar und begann am Donnerstagmittag in Köln. Von dort ging es zunächst in die Niederlande nach Maastricht, um nicht nur das internationale Angebot  der dortigen Universität kennenzulernen, sondern auch um ihre besondere Form der Lehre, das Problembasierte Lernen (PBL), auszuprobieren. Unter Anleitung einer Tutorin konnten die Schülerinnen und Schüler anhand eines authentischen Falls selber eine verkürzte „PBL-Session“ mit Problemdefinition, Hypothesengenerierung, Diskussion, Lernzielformulierung und Synthese nachvollziehen. Im Anschluss ging die Fahrt weiter nach Brüssel, in das politische Zentrum Europas. Nach dem Abendessen erkundete die Gruppe zunächst den historischen Kern der Stadt bei einem abendlichen Spaziergang um den Grand Place/Grote Markt.

Der Freitag stand ganz im Zeichen der hohen Kunst der Diplomatie. In der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU trafen die Stipendiaten verschiedene Mitglieder des Tönissteiner Kreises, die über ihre Arbeit in Brüssel berichteten. Die deutschen Diplomatinnen Biljana Dischlieva und Claudia Brinkmann präsentierten die Arbeitsstruktur der Ständigen Vertretung, während Tim Rusche seine Tätigkeiten bei der Europäischen Kommission vorstellte. Dass in Brüssel aber nicht nur Diplomaten und Beamte arbeiten, sondern auch ein Heer von Lobbyisten, wurde in der folgenden Veranstaltung deutlich, als Anton Bauch vom BDA und Ina Hinzer vom DGB in einer Diskussion aufeinandertrafen. Während die inhaltlichen Positionen sicherlich kontrovers sind, wurden viele Parallelen im Berufsalltag deutlich.

Am Nachmittag ging das Programm mit zwei Vorträgen in der Gemeinsamen Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein bei der EU weiter. Monika Moßhammer, die aus Österreich stammt und als Kommissionsbeamte als stellvertretende Referatsleiterin im Referat für Grenzverwaltung und Rückführungspolitik arbeitet, berichtete von ihrem Weg nach Brüssel und den kontroversen Fragen an den EU-Außengrenzen. Nachdem die Schüler in Berlin schon den Auswärtigen Dienst als vielversprechenden Karriereweg identifiziert hatten, stellte ihnen Wolfgang Rudischauser am Nachmittag nun den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) und seinen persönlichen Werdegang im Bereich Rüstungskontrolle vor. Im Anschluss an die Gespräche bekamen die Schüler die Gelegenheit, etwas Zeit in Brüssel zu verbringen, bevor die Gruppe am Abend im Kaai-Theater eine postmoderne Tanzaufführung von Lucinda Childs besuchte, die im Anschluss ein Interview auf der Bühne gab.

Am Samstag drehte sich in den Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) alles um das Europa-Parlament und den Gesetzgebungsprozess. Morgens eröffnete KAS-Referent Olaf Wientzek den Tag, indem er von der Arbeit politischer Stiftungen in Brüssel und der Welt berichtete. Mit den drei Assistenten von Europa-Abgeordneten Dániel Fehér, Andreas Bühler und Jens Müller wurde dann die Rolle des Europäischen Parlaments diskutiert und den Schülern der Beruf des EP-Assistenten vorgestellt. Beim Planspiel zum Gesetzgebungsverfahren in der EU am Samstagnachmittag konnten die Schülerinnen und Schüler in die Rollen der verschiedenen Akteure schlüpfen, die man während der beiden Tage in Brüssel getroffen hatte, um eine neue Asyl-Richtlinie zu erarbeiten. Abgerundet wurde das Programm durch einen gemeinsamen Abschlussabend am Samstag in einem afrikanischen Restaurant. Am Sonntag endete ein ereignisreiches Projektjahr mit  Einzelgesprächen zwischen Teamern und Teilnehmern und Zeit für persönliches Feedback und Reflexion der Erfahrungen.