Der “European Green Deal” und die Luftfahrt

von Anthea Reeb, SKI Jahrgang 2021/22

Im Expertengespräch mit einem ehemaligen Manager der Lufthansa, welcher auch nach seinem Ruhestand in verschiedenen Gremien auf Bundesebene beratend tätig ist, beschäftigten wir uns am 28. März mit einem besonderen Teilaspekt des „European Green Deal“: der Luftfahrt.

Überblick zum „European Green Deal“

Der „European Green Deal“ wurde von der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 11. Dezember 2019 öffentlich vorgestellt (Große Hüttmann 2020). Er sieht vor, die Wirtschaft und Gesellschaft der EU ökologisch umzugestalten und zu modernisieren. Das zentrale Ziel des European Green Deal ist es, dass die EU bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Staatenbund wird (DIHK o.J.). Das bedeutet, dass die Länder der Europäischen Union ab dem Jahr 2050 keine Netto-Treibhausgasemissionen mehr freisetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Schadstoffemissionen deutlich reduziert werden sowie das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung abgekoppelt sein.

Die Maßnahmen des European Green Deal finden sich in den Themengebieten: Energie, Landwirtschaft, Industrie, Umwelt und Ozeane, Verkehr, Finanzen und regionale Entwicklung sowie Forschung und Innovation (Europäische Kommission o.J.).

Um die Weichen für das Ziel bis 2050 zu stellen, hat sich das EU-Parlament das Zwischenziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die Emissionen der EU um mindestens 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren (Vorreiter 2020). Dieses Programm wird „Fit für 55“ genannt (Ehlerding 2021).

Möglichkeiten des „European Green Deal“ in der Luftfahrt

Der „European Green Deal“ gilt auch für die Luftfahrt. Doch die Umsetzung stellt die Luftfahrt vor große Herausforderungen. So ist es im Gegensatz zu PKW und Bahn derzeit nicht möglich, E-Mobilität in der Luftfahrt zu nutzen.

Das wesentliche Problem ist, dass zum Abheben eines Flugzeuges sehr viel Energie benötigt wird. So erklärte uns unser Gast, dass die Batteriegröße für solche Flugzeuge größer als das Flugzeug selbst wäre.

Damit bleibt nur die Möglichkeit den Antrieb der Flugzeuge „grüner“ zu machen, beispielsweise durch die Verwendung von „Sustainabiliy Fuel“ (Eurocontrol 2021).

Um solches Bio-Kerosin herzustellen, wurden in einem ersten Schritt bestimmte Pflanzen wie beispielsweise die Jatropha-Pflanze kultiviert und angebaut. Allerdings stehen solche „Energie-Pflanzen“ auch immer in Konkurrenz mit landwirtschaftlich nutzbarer Fläche.

Daher wurde nun schon die zweite Generation von Bio-Kerosin entwickelt. Hier werden Abfallstoffe wie Altöle und Fette sowie Holz und weiterer Müll aufbereitet und in Bio-Kerosin umgewandelt, um nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln zu stehen.

Geforscht wird derzeit an Kraftstoffen basierend auf elektrischem Strom. Damit ist gemeint, dass über die Stromproduktion der Treibstoff für Flugzeuge produziert wird. Als Treibstoff kann hierbei Wasserstoff verwendet werden (Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.02.2022) oder man nutzt PtL (Power to Liquid). Bei PtL wird Bio-Kerosin nur aus Wasser, (grünem) elektrischem Strom und CO2 hergestellt und somit wird nur das CO2 abgegeben, das man vorher der Atmosphäre entnommen hatte. Dadurch werden Netto-Treibhausemmissionen verhindert (Deutsche Lufthansa Aktiengesellschaft o.J.).

Eine andere, aber recht praktische und schnell umsetzbare Möglichkeit wäre laut Auskunft unseres Experten, dass die Luftüberwachungsbehörden in Europa zentralisiert werden (European Union 2021). Trotz der Initiative „Single European Sky“ werden Flüge auf bestimmte Routen gehalten, um von einem überwachten Luftraum in einen anderen überzugehen. Würde man ganz Europa bündeln, könnten im Durchschnitt bei jedem Flug 80 km Flugstrecke eingespart werden. In der Gesamtschau würde dies auf einen Schlag 8-10 Prozent der Emissionen einsparen. Das Problem dabei ist jedoch, dass bisher die einzelnen europäischen Staaten eigene Befugnisse an eine zentrale europäische Behörde nicht gerne abgeben und man politisch dazu derzeit nicht bereit ist.

Insgesamt war dies ein spannender Abend, den ich unter dem Titel „The Flying Green Deal“ zusammenfasse und der mit vielen neuen Informationen zum weiteren Nachdenken einlädt.

Literaturverzeichnis