Zugang von Bildung in einer digitalisierten Welt #digitalfuture

Jede/r, der/die heutzutage mal in der Schule war, kennt’s: Der Lehrer/die Lehrerin steht vorne am Smartboard oder Beamerwagen, drückt hilflos irgendwelche Knöpfe und gibt nach ein paar Minuten verlorener Arbeitszeit auf und kehrt schließlich zum „guten“ alten Frontalunterricht zurück. Leider.

Auf das Problem, dass die Lehrer/innen es nicht so sehr mit neuer Technik haben, brauche und möchte ich heute gar nicht eingehen. Viel mehr möchte ich darauf eingehen, welchen Zugang bzw. Möglichkeiten uns diese Technik bringen könnte.

Eines der wichtigsten Argumente ist, dass durch Smartboards und Co. der Unterricht ganz anders gestaltet werden kann. Lehrer/innen könnten den Unterricht viel interaktiver gestalten. Als Beispiel gibt es heute schon diverse Anwendungen, mit denen man spielerisch das Lernen gestalten kann oder auch andere Inhalte vereinfacht werden können.
Ein anderer wichtiger Aspekt, der vor allem in den letzten Jahren immer wichtiger wurde, ist die Integration von geflüchteten Menschen, auch in unser Bildungssystem. Die Flucht sollte kein Grund sein nicht die Möglichkeit einer höheren Bildung zu erhalten. Genau dafür setzt sich das Social-Start-Up „Kiron Open Higher Education“ ein. Das Start-Up setzt dabei auf digitale Kanäle, um ihre Zielgruppe zu erreichen und schafft dies erfolgreich in vielen Ländern der Welt. Die Studierenden lernen dabei mithilfe von Online-Kursen, die größtenteils aus Lernvideos bestehen und Geflüchteten so ortsunabhängig einen Zugang zu Bildung ermöglichen.
Eine zentrale Frage, die u.a. bei Kiron jedoch auch gestellt wurde, war, ob der „soziale Faktor“ der Bildung durch die Digitalisierung künftig wegfallen wird. Diese Frage kam auf wegen des Konzeptes von Kiron. Wie oben bereits erwähnt wurde, lernen die Studierenden nur über Online-Videokurse, weshalb wir uns fragten, ob der soziale Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Schüler/innen wegfiele, wenn wir dieses Konzept auch auf unser jetziges Schulleben beziehen. Mit dem „sozialen Faktor“ ist auch gemeint, dass Schüler/innen die Schule zwar größtenteils natürlich wegen der Schulpflicht besuchen. Dennoch muss man auch beachten, dass Freund/innen in der Schule einen selbst enorm motivieren. Wenn wir künftig alle nur noch online zu Hause lernen würden, würden wir kaum bis gar nicht unsere Freund/innen treffen können. Unsere Motivation für das Lernen könnte sinken. Konkret stellt sich diese Frage zum Teil auch schon heute, z.B. bei dem vermehrten „homeschooling“ in den USA. Schüler/innen werden dabei zu Hause mithilfe von Videos oder auch Online-Konferenzen gebildet. Natürlich muss man sich dabei auch fragen, ob das Prinzip des „homeschooling“ wirklich zielführend ist, einem Jugendlichen oder Kind, im Rahmen der ersten (Schul-) Ausbildung die nötigen Wissenstandards zu vermitteln, um später an einer Uni zu studieren oder ob dies eher ein (Weiterbildungs-) Konzept für junge Erwachsene ist, wie es bei Kiron gehandhabt wird.
Eine weitere Frage, die wir uns anlässlich des Besuches bei Kiron gestellt haben, war, was mit den ganzen Lehrer/innen passiert, wenn wir irgendwann alle nur noch über Plattformen digital lernen würden. Das mag zwar noch ganz weit entfernt sein, jedoch ist die Frage mehr als berechtigt, da eigentlich alle Bundesländer händeringend nach neuen Lehrkräften suchen. Aber was passiert denn dann, wenn wir diesen Schritt vom klassischen Frontalunterricht von heute mit Lehrern usw., zum digitalen Unterricht von morgen machen? Dazu haben wir uns ein Szenario überlegt, in dem Lehrer/innen immer mehr die Rolle eines Mentors/einer Mentorin annehmen, also als Hilfe verfügbar sind, aber dennoch der „Unterricht“ durch die Initiative des Schülers/der Schülerin stattfindet.

Abschließende, konkrete und „richtige“ Antworten auf diese Frage haben wir noch nicht gefunden. Gleichwohl ist es sicherlich wichtig, dass wir beim Thema „digitale Bildung“ nicht nur an die Anforderungen an Hard- und Software denken. Die Bedeutung der Digitalisierung für den sozialen Faktor von Bildung ist ebenso gewichtig und sollte nicht vergessen werden.

Bildung ist schließlich immer eine Entwicklung. Vor 60 Jahren war es noch der Schritt von Klassen mit ca. 60 Schüler/innen zu Klassen mit 30 Schüler/innen. Heute vielleicht der Übergang von der Kreidetafel hin zum Smartboard – aber für morgen erwarten uns neue Herausforderungen, bei denen die sozialen/menschlichen Folgen des technischen Fortschritts vielleicht eine große Rolle spielen.

Von Leon Muchaier, Claudius Seiter, Haluk Öngören