Als ich zum ersten Mal auf das Schülerkolleg International (SKI) stieß, fiel es mir schwer, den genauen Charakter dieses Programmes zu bestimmen. Jetzt nach dem ersten Seminar in Berlin habe ich drei Aspekte ausgemacht, die für mich das Schülerkolleg ausmachen.

Zuerst einmal ist da der Austausch mit zukunftsorientierten und engagierten Jugendlichen aus ganz Deutschland, der an und für sich schon sehr bereichernd ist. Danach steht die berufliche Orientierung. Denn das SKI bring die Teilnehmer/innen in direkten Kontakt mit Führungspersonen, zeigt verschiedene Bereiche auf, in unserer Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und bietet durch den Markt der Möglichkeiten ganz konkrete Planungsmöglichkeiten.

Aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der Auseinandersetzung mit dem Jahresthema, in meinem Fall der Digitalisierung. Und hierzu haben wir über zwei kompakte Tage verteilt wirklich erstklassigen Input bekommen. So waren wir nicht nur in verschiedenen Regierungsinstitutionen, sondern auch bei NGOs und Unternehmen. Durch das SKI konnten wir nicht nur mit Menschen diskutieren, mit denen wir sonst wohl kaum in persönlichen Kontakt gekommen wären, wie zum Beispiel Dr. Danyal Bayaz (MdB und Startup-Beauftragter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) und Marcus Bleinroth ( Leiter des Referats für konventionelle Rüstungskontrollen im Auswärtigen Amt). Sondern wir betraten auch Räume, die normalerweise für die Allgemeinheit verschlossen bleiben.

Denn, wo arbeiten eigentlich die Leute, die Deutschlands Arbeitsmarkt fit für Digitalisierung machen sollen? In welcher räumlichen Umgebung werden Start-Ups gefördert und wo kommen sie unter, wenn sie einmal den Sprung zum funktionierenden Unternehmen geschafft haben?

Unser erster Programmpunkt war der Besuch im Auswärtigen Amt, ein Ministerium, das fast einen ganzen Straßenzug einnimmt. In einem mit hellem Holz getäfelten Raum saßen wir brav in mehreren Reihen während vorne zwei Vertreter/innen des Auswärtigen Amtes über die Herausforderung der Digitalisierung, das Berufsbild des Diplomaten/der Diplomatin und den Inhalt ihrer Arbeit sprachen. Als die interne Digitalisierung des Amtes zur Sprache kam, hieß es, dass teilweise noch Arbeitsstrukturen aus Bismarcks Zeiten vorhanden wären.

Etwas moderner wurde es dann im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hier saßen wir zu mindestens in einem geöffneten Kreis und führten eine offene Diskussion mit der Referentin im Referat Grundsatzfragen der Arbeitspolitik. Aber auch hier konnte man noch keine praktische Anwendung der digitalen Möglichkeiten sehen, um jungen Menschen das Arbeitsministerium nahe zu bringen.

Eine Ahnung vom Arbeitsplatz der Zukunft bekamen wir erst beim Besuch zweier NGOs.

Die Stiftung Neue Verantwortung wirkte zwar auch recht modern und anonym mit den kahlen weißen Wänden und Büros aus Glas, aber sie hielt einen Workshop zur Digitalisierung von Wahlen bereit, in den wirklich alle von uns mit einbezogen wurden. Am nächsten Tag erwartete uns ein wirklicher Szenenwechsel, als wir die Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. besuchten. Dieser Verein, welcher durch Klagen die Grund- und Menschenrechte einfordert, empfing uns in den Räumlichkeiten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie selbst bestehen nur aus zwei kleinen Arbeitsräumen direkt an der Straße, einer Miniküche und einem noch kleineren WC. Der Gegensatz zu den Arbeitsplätzen, die wir davor gesehen hatten, war wirklich überwältigend.

Ähnlich sah es bei dem StartUp „Kiron Open Higher Education“ aus. Dieses Unternehmen, obschon wesentlich größer mit seinen 80 Mitarbeitern und internationaler Wirksamkeit, ist in mehreren fast schon labyrinthartig wirkenden Räumen untergebracht. Um zu ihnen zu gelangen mussten wir an einem Theater vorbei, mehrere Treppen hoch und durch zahlreiche Flure. Besonders erinnerungswürdig waren aber überaschenderweise die Toiletten. Denn es gab die Auswahl zwischen Damen und geschlechtsunspezifisch. Hier hatte man anscheinend wirklich etwas gegen das Problem der unendlichen Schlangen vor Frauentoiletten unternehmen wollen!

Schließlich sollten wir aber noch eine ganz andere Arbeitsumgebung kennenlernen. Der „APX Accelerator“ von Axel Springer und Porsche hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge StartUps in der Gründungsphase zu unterstützen. Anscheinend um die Denkprozesse der jungen Unternehmer /innen anzuregen, war der Workspace bewusst roh gehalten. Mit dem kahlen Betonboden, auf dem ein abgenutzter Teppich, aus dem ein Smiley ausgeschnitten war, lag und den Wänden, die mit Graffititapete gestaltet waren, wirkte das Ganze auf mich etwas gekünstelt.

Insgesamt haben wir eine breite Palette an Arbeitsplätzen kennengelernt, bei denen die Digitalisierung auf unterschiedliche Art und Weise genutzt und zur Schau gestellt wird. In Zukunft werden sich sicherlich auch die räumlichen Arbeitsplätze weiter verwandeln. Wie auch immer dies dann ganz konkret aussehen mag, so wird es doch ganz sicher uns alle betreffen.

Von Catrina Needham