von Eren Barlas, SKI Jahrgang 2021/22

Bildungsungleichheit ist eine der am längsten existierenden Probleme in der Europäischen Union (Mau, Steffen 2004: o.S.). Die dauerhafte Präsenz dieses Problems indiziert bereits, dass es komplex ist. Dies trifft vor allem für Staatenzusammenschlüsse wie die Europäische Union zu, aufgrund der diversen Bildungsmodelle und sozialen und finanziellen Ordnungen.

Per Definition ist „soziale Bildungsungleichheit“ der Unterschied zwischen Kindern im Bildungsverhalten und in den erzielten Bildungsabschlüssen, welche in verschiedensten sozialen Bedingungen und familiären Hintergründen aufwachsen (vgl. Schlicht, Raphaela 2011: 35). Somit hängt der individuelle Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ab. Dieses Konstrukt ist als soziale Bildungsungleichheit bekannt ist. Der Grund für die soziale Bildungsungleichheit ist zum einen der elterliche sozioökonomische Status und zum anderen der Bildungserfolg der Kinder. Letzterer wird durch die erreichten Punktzahlen in Tests und Klassenarbeiten oder des erzielten Bildungsabschlusses ermittelt.

In der Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament am 30.09.2020 teilte die EU-Kommissionspräsidentin, Ursula von der Leyen, mit, dass, das Ziel ist, die Vision des europäischen Bildungsraumes bis zum Jahr 2025 zu beenden. Welcher von der EU-Kommission wie folgt definiert wird: „Lernhindernisse beseitigen und den Zugang zu hochwertiger Bildung für alle verbessern“ (vgl. Europäische Kommission o.J.: o.S.).

Maßnahmen der EU

In der strategischen Agenda 2019–2024, welche am 20. Juni 2019 verabschiedet wurde, wurde darauf hingewiesen, dass alle Mitgliedstaaten möglichst große finanzielle Förderungen in die Kompetenzen und die Ausbildung der Menschen investieren müssen. Dies wurde nach der gemeinsamen Orientierungsaussprache am 8. November 2019 von allen Finanz- und Bildungsminister:innen bestätigt und dementsprechend von den Mitgliedsstaaten umgesetzt. 

Die EU-Kommission betont auch den positiven Effekt von Erasmus+ und dessen Ausweitung, wie folgt: „Das Programm Erasmus+ hat maßgeblich dazu beigetragen, erfolgreiche Praktiken zu verbreiten und die Zusammenarbeit für nationale Reformen zu verbessern sowie die Umsetzung von Maßnahmen auf EU-Ebene finanziell zu unterstützen, etwa die Verpflichtung der EU zu untermauern, Bürgersinn, Grundfreiheiten, Toleranz und Nichtdiskriminierung durch Bildung zu fördern (vgl. Europäische Kommission 2020: 6).Ergänzend wurden Mittel, sowohl durch Strukturfonds als auch Investitionsfonds, für die systematischen nationalen Reformen bereitgestellt. Hinzukommt, dass die Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der Reformen für berufliche Bildungssysteme, zusätzliche technische Unterstützung bekamen. 

Dies waren jedoch erst die anfänglichen Bemühungen der EU-Kommission. Nach einer weiteren Konferenz wurde beschlossen, wie der europäische Bildungsraum bis 2025 umzusetzen ist. Geeinigt hat sich die Kommission auf einen europäischen Bildungsraum in sechs Dimensionen, welche Qualität, Inklusion und Gleichstellung der Geschlechter, Grüner und digitaler Wandel, Lehrkräfte und Ausbildende, Hochschulbildung und zuletzt Geopolitische Dimension sind (vgl. Europäische Kommission 2020: 8). Dies wird in der folgenden Grafik veranschaulicht. 

Fazit

Wie in diesem Beitrag veranschaulicht wurde, ist die Frage um die soziale Bildungsungleichheit weitaus komplexer als es zuerst erscheint. Aufgrund dessen ist es wichtig, die verschiedenen Schritte, die die EU-Kommission unternimmt zu berücksichtigen und kritisch zu hinterfragen, ob diese tatsächlich das Problem adressieren. Das wird jedoch erleichtert, da die Kommission selbstkritisch ist und ihre jährlichen Rückmeldungen zu ihren Erfolgen und Misserfolgen selbst verfasst und veröffentlicht. Ein weiterer, kritischer Blick kann dennoch nicht schaden. 

Jedenfalls bin ich überzeugt, dass soziale Bildungsungleichheit ein großes Problem innerhalb der Wertegemeinschaft darstellt und auch dementsprechend darüber diskutiert und verhandelt wird. Die Ziele, welche von der Kommission angestrebt werden, halte ich für überwiegend realistisch und plausibel. Schlussendlich vertrete ich die Ansicht, dass die von der EU-Kommission besprochenen Maßnahmen, ausreichend sind. Daher sind die gesetzten Maßstäbe zu erreichen und somit sind die Maßnahmen gegen die soziale Bildungsungleichheit vielversprechend.

Bibliographie